Gedanken vor dem Rückflug

Gedanken vor dem Rückflug

28. September 2019 1 Von Alex

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich einen ähnlichen Beitrag geschrieben. Vor dem Start unserer Weltreise, ausgezogen aus unserer Wohnung, die letzte Nacht im Hostel in Frankfurt verbringend. Damals standen wir vor einer doch irgendwie ungewissen Zukunft, wussten nicht, was auf uns zukommen würde, was wir alles erleben würden. Ich hatte schlaflose Nächte bevor es los ging. 

Und jetzt? Jetzt ist es irgendwie ähnlich. Seit einigen Tagen schlafe ich nicht mehr so gut wie sonst auf der Reise, vor dem Einschlafen gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Heute morgen bin ich mit einem Kribbeln im Bauch aufgewacht. Es geht wieder zurück nach Deutschland. 

Eine ungewisse Zukunft steht (zumindest mir) ja auch irgendwie bevor. Sicher ist, dass wir in unsere Wohnung zurückkehren, die wir ein Jahr untervermietet haben. Wird sie noch so aussehen, wie wir sie in Erinnerung haben? Wird es sich genauso anfühlen dort zu wohnen wie noch vor der Reise? Man mag sich das mal vorstellen: ein Jahr lang haben sich all unsere Sachen, die wir brauchen, in zwei großen Backpacks und zwei vollgepackten Daypacks befunden. Tatsächlich haben wir nicht mal alles gebraucht, was drin war. Unser Zuhause war die Welt. Nun kommen wir zurück und es wartet eine 90qm große Wohnung mit unzähligen Schränken und 40 (??) Kisten, die ausgepackt werden müssen. Brauchen wir das überhaupt alles noch? Gerade fühlt es sich so an, als ob wir bestimmt auf 2/3 von allem verzichten könnten. 

Und wie wird es mit den Freunden sein? Ein Jahr haben wir alle nicht gesehen. Die Welt hat sich weiter gedreht und vor allem wir haben uns und unsere Sichtweise verändert. Habe ich lange Zeit gedacht, dass wir uns nicht verändert haben, ist mir insbesondere am Ende der Reise aufgefallen, dass wir uns tatsächlich verändert haben. Was sicherlich nicht negativ gemeint ist, sondern vielmehr haben wir uns einfach weiterentwickelt. Hoffentlich in die gleiche Richtung wie unsere Freunde 🙂

Hier noch ein vorher nachher Foto. Haben wir uns verändert?

Wo wir auch bei dem sind, was mir vor einem Jahr schwer gefallen ist: Freunde und Familie für ein Jahr zurück zu lassen. Und wie hat es sich angefühlt? Ganz ehrlich: besonders im zweiten halben Jahr schrecklich. Man trifft zwar immer wieder Reisende, aber letztlich sind dies noch nicht die langjährigen Freunde. Wir können daher sagen: unser soziales Umfeld haben wir in diesem Jahr am meisten vermisst. Wenn wir zurück kommen freuen wir uns daher am meisten auf Freunde und Familie.

Was auch schon die nächste Frage beantwortet: Wie fühlt es sich an zurückzukommen? Sehr gut! So schön die Reise auch war, sie war nun lang genug und wir freuen uns wirklich sehr wieder zurückzukommen. Ein bisschen freuen wir uns sogar schon wieder auf den Alltag. 

Und auch, wenn für mich nun viele organisatorische Dinge und für Peter ab nächster Woche die Arbeit ansteht, freuen wir uns auch darauf wieder. Endlich wieder ein bisschen produktiv sein. Ein Sack voller guter Vorsätze für den Alltag bringen wir auch mit. Ob wir alles umsetzen werden wird die Zeit zeigen. 

In diesem Jahr haben wir so viele Erfahrungen gesammelt, so viele Orte gesehen, so viele tolle Menschen kennen gelernt und in unzähligen fremden Betten geschlafen. Wir haben unser erstes gemeinsames Auto gekauft und sind damit 6.000 km durch den Linksverkehr gefahren. All diese Erfahrungen kann uns keiner mehr nehmen. Und ich kann sagen: diese Lücke im Lebenslauf hat sich gelohnt. Auf dieser Reise habe ich so viel mehr gelernt als ich in irgendeinem Job hätte lernen können. Über mich, das Leben, Menschen, Kulturen und Länder. Und auch wenn es nicht immer leicht war, sind wir an unseren Aufgaben gewachsen. 

Nun heißt es also erstmal Tschüss Welt, hallo Deutschland. Die Reise ist bis auf den Rückflug vorbei. Wir beenden das Kapitel Weltreise mit einem Lächeln im Gesicht und beginnen ein neues Kapitel mit dem Namen „Neues altes Leben“.