Hanoi

Hanoi

25. September 2019 0 Von Peter

Die Erholung in Laos tat uns gut, da wir wussten, dass die nächsten drei Wochen in Vietnam ein wenig stressiger werden würden. Alex Vater kam mit seiner Frau zu Besuch und wir hatten einen ganz schön vollen Zeitplan, um das lange Land vom Norden bis zum Süden zu erkunden. Starten wollten wir im Norden, in der Hauptstadt Hanoi. Hier hatten wir ein schönes AirBnB angemietet, welches sich als ganzes Haus entpuppte, das tatsächlich 5 Stockwerke hatte. So etwas hatten wir bisher auch noch nicht. Jedes Stockwerk war zwar nur ein Zimmer, aber wann wohnt man schon in so einer Behausung.

Wir reisten zwei Tage früher an, damit wir noch etwas Zeit zum Vorbereiten hatten, weil die Beiden am übernächsten Tag sehr früh landeten. Am ersten Abend kamen wir recht spät an und gingen direkt Essen und zwar zu einem Streetfood Stand. Hier hat man einen kleinen Grill auf den Tisch gestellt bekommen, sowie einen großen Teller Grillgut und durfte selber Grillmeister spielen. Sehr lecker und sehr skurril, da es direkt an einer stark befahrenen Straße war, wir auf 20cm hohen Stühlen saßen und außer uns keine Touristen anwesend waren. Zum Glück gab es auch nur ein Gericht, eine Verständigung auf Englisch war nämlich nicht möglich.

Am zweiten Tag nutzten wir die Zeit um unsere Fahrt mit dem Nachtzug zu buchen und die Altstadt zu erkunden. Direkt am Morgen überraschte uns ein kräftiger Regenschauer, der uns zunächst dazu zwang in ein Cafe einzukehren. Die englische Karte musste erst mal mit der Taschenlampe gesucht werden. Abends mussten wir auch schon früh ins Bett, damit wir am nächsten Tag unseren Besuch begrüßen konnten.

Wir fuhren um 6:00 Uhr zum Flughafen und begrüßten die Nachtflügler, die aber tatsächlich einen sehr fitten Eindruck machten. Wenn ich mich so an meine Transkontinentalflüge erinnere, dann finde ich das doch erwähnenswert. Um den Jetlag zu vermeiden, der sich hauptsächlich dadurch verstärkt, dass man sich nicht direkt an die neue Zeitzone gewöhnt, hatten wir vor den ganzen Tag auf Achse zu sein. Es sind zwar nur 5 Stunden Zeitunterschied, aber durch den Flug und den daraus resultierenden Schlafmangel, ist dies nicht zu unterschätzen, falls man die nächsten Tage vor Ort nicht bis weit nach Mitternacht wach sein möchte. Zuerst genossen wir ein reichhaltiges quasi deutsches Frühstück, welches unsere Gäste uns mitgebracht hatten. Endlich gutes deutsches Brot mit Käse und Wurst. Wie lange hatten wir darauf verzichten müssen!

Sobald wir fertig gefrühstückt hatten machten wir uns aber direkt auf den Weg in die Stadt. Dies war aber gar nicht so einfach. In Hanoi gibt es nämlich ca. 7 Millionen Roller, die pausenlos auf den Straßen unterwegs sind. Die Gehwege werden gerne als Parkplatz genutzt, daher kann man hier nicht wirklich laufen und muss ständig auf die Straße ausweichen, wo man höllisch aufpassen muss nicht von einem der Roller überfahren zu werden. Denn diese fahren auch gerne mal gegen die Fahrtrichtung, direkt am Straßenrand, wo man dann als Hindernis im Wege steht. Aber das ist noch nicht einmal das gefährlichste, obwohl wir genug Beinahe-Kollisionen hatten. Der Versuch in Hanoi eine Straße zu überqueren gleicht einem Spießrutenlauf (wobei ich ehrlich gesagt gar nicht so genau weiß was dieses Wort überhaupt bedeutet). Im besten Fall gibt es eine Ampel, was aber niemanden, der abbiegen möchte daran hindert, direkt auf einen zuzufahren. Zebrastreifen sind bestimmt gut gemeint, aber in keinem einzigen Fall ist uns ein Unterschied aufgefallen zu einer Straße ohne Fußgängerüberweg. Das heißt man ist auch hier wie ein kleines Rehkitz, welches die Überquerung versucht. Warten bis frei ist hilft an den meisten Kreuzungen übrigens nicht, denn dort ist IMMER Verkehr, zumindest wenn es nicht gerade Nacht ist. Der allgemeine Tipp ist, dass man sich mit einer langsamen, konstanten Geschwindigkeit von einer Seite zur anderen Seite bewegen sollte und die Roller einem dann ausweichen. Keinesfalls sollte man stehenbleiben oder selber versuchen auszuweichen. Grundsätzlich hat das auch funktioniert, aber dazwischen stirbt man vielleicht keine tausend Tode, zehn sind aber doch auch genug? Verkehrsregeln gibt es hier auch nur sporadisch, was aber eher beim Autofahren oder Automitfahren von Interesse und Belustigung ist. Insgesamt, und das gilt für alle Tage in Hanoi und Saigon, kann man sagen, dass es im Gegensatz zu allen anderen Städten hier quasi unmöglich ist den Stadtspaziergang zu genießen. Das normale Flanieren und auf die Geschäfte und umliegenden Aktivitäten zu achten ist in diesen Städten unmöglich. Jedes Mal, wenn wir irgendwo ankamen (auch in unserem AirBnB), konnte sich keiner von uns an vieles der Strecke erinnern. Der lebensgefährliche Verkehr wird vermutlich die bleibende Erinnerung für uns bleiben von den Großstädten Vietnams. Zukünftig werden wir die deutschen Städte und den Verkehr bestimmt anders sehen.

Was aber haben wir denn überhaupt gesehen? Die Altstadt Hanois mit ihren Gassen, in denen viel verkauft wird, jede Straße verkauft eine Produktart (das skurrilste waren vermutlich Grabsteine). Einen versteckten Tempel, der dann aber tatsächlich sehr hübsch war. Ein ebenso verstecktes Restaurant, was aber eher mittelmäßig war. Einen See in der Mitte der Stadt, der zauberhaft angelegt mit einer Insel in der Mitte und einer Legende über eine Schildkröte und ein Schwert, die sich wirklich gut anhört. Anschließend ging es wieder zurück ins AirBnB. Hier beschlossen wir ins naheliegende Restaurant zu gehen, da die Neuankömmlinge langsam in den Schlaf verfielen. Zudem wollten wir uns nicht noch einmal durch diesen verrückten und anstrengenden Verkehr bewegen.

Am nächsten Tag ging es zunächst zu einer sehr hübschen Pagode, die sich auf dem West-See befand. Heute war es wirklich heiß und das machte unserem Besuch zu schaffen. Wir waren diese Hitze/Schwüle ja mittlerweile gewohnt, wussten dass man einfach sehr viel trinken muss und so oft wie möglich den Schatten suchen musste. Nachdem wir anschließend noch einen Tempel besucht hatten, taoistisch und damit auch wieder voller versteckter Hinweise auf diverse religiöse Hintergründe, machten wir eine Pause in einem tollen Café und tranken vietnamesischen Eiskaffee.

Nach den religiösen Stätten war der zweite Teil des Tages den politischen Kultstätten gewidmet. Wir wollten in das Ho Chi Minh Museum, leider hatte das Mittagspause. Auf dem Weg vom botanischen Garten, den wir dazwischen tatsächlich auch noch gesehen hatten, hatten wir einen Biergarten bemerkt wo es das berühmte Ein-Tages-Bier gab. Hier verbrachten wir die Wartezeit und probierten das Bier. Dieses Bier ist wohl kein Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot, sondern ein Bier, das einen Tag haltbar ist. Was genau es ist, haben wir aber auch nicht herausgefunden. Das Bier war aber tatsächlich sehr günstig. Ein Pitcher hat nur 1,20€ gekostet. Dafür wurden wir vermutlich beim Essen ein wenig über den Tisch gezogen.

Das Museum war dann wirklich sehr interessant. Der größte Volksheld Vietnams wird hier nochmal in allen seinen Lebensphasen dargestellt und auch die Entwicklung Vietnams. Hier lernt man tatsächlich noch sehr interessante Dinge. Natürlich alle ein wenig einseitig erzählt, aber wer hat gewusst, dass HCM auch einer der Gründer der kommunistischen Partei Frankreichs gewesen ist? Dieser Mann ist sehr viel herumgekommen, bevor er wieder nach Vietnam zurückkehrte um etwas zu bewegen.

Nach dem Museum wollten wir zumindest nochmal am HCM Mausoleum vorbeilaufen. Hineingehen hielten wir für unangemessen. Aber als wir durch den Ausgang des Museums schritten war uns sehr schnell klar, dass wir nur noch ein Ziel hatten. Eine riesige Wolkenfront der dunkelsten Farbe begrüßte uns beim herausgehen und wir liefen in Richtung Hauptstraße. Ich versuchte noch ein Grab zu bekommen, aber da kamen die ersten Tropfen. Also zum ersten Taxi, Preis erfragen. 5-mal so hoch wie ein Grab. Also weiter versuchen ein Grab zu bekommen, wieder kein Erfolg. Daher zum nächsten Taxi. Wieder 5-mal so hoch, aber zum Handeln bereit, auf 3-mal runtergehandelt und rein gesprungen. Dann begann das Inferno. Regen in Südostasien ist ein Erlebnis. Allein der kurze Weg beim Aussteigen vom Taxi zu unserem AirBnB führte dazu, dass wir komplett nass waren. Das bedeutete natürlich eine etwas längere Pause zur Erholung, sodass wir erst zum Abendessen wieder raus gingen.

Hier wählten wir eine Empfehlung aus dem Lonely Planet und waren am Ende ganz glücklich, denn hier gab es gutes Essen zu vernünftigen Preisen. Die Bedienung war außerdem so nett uns auch zu erklären, wie man die einzelnen Speisen richtig isst. Das war manchmal tatsächlich nicht aus dem Kontext zu erschließen.

Den nächsten Tag hatten wir erneut voll geplant, da wir danach in die Halong Bucht aufbrechen wollten. Zuerst ging es zum Weltkulturerbe der Hanoi Zitadelle Thang Long. Diese war leider relativ zerstört oder noch nicht ausgegraben, daher kein wirkliches Erlebnis. Außerdem war es vielleicht der heißeste Tag in Vietnam, deswegen war es auch kein Spaß über Stunden unter der Sonne durch Ruinen zu laufen.

Wir gingen danach schnell weiter zum Literatur Tempel. Dieser war dann wiederum sehr faszinierend. Mitten in der Stadt gelegen und aus mehreren aufeinander folgenden Bereichen aufgebaut, zudem noch sehr gut erhalten. So stellt man sich ein historisches Gebäude vor.

Nach diesem Kulturprogramm gingen wir erstmal richtig lecker vietnamesisch Essen um uns zu stärken. Auch diesmal wurden wir unterrichtet wie man die Speisen richtig zu sich nimmt, was tatsächlich den Genuss stark erhöhte.

Als nächster Programmpunkt stand der Instagram-Spot Hanois auf dem Plan. Wir wollten zur Train Street, einem Ort, den man sich in Europa nicht vorstellen könnte. Die Bahn, welche wir demnächst auch nehmen wollten, fährt direkt durch ein Wohnviertel, keine 20cm von den touristischen Sitzplätzen entfernt. Dort nahmen wir Platz und gönnten uns erstmal ein Bier. Der Zug sollte erst in einer halben Stunde kommen. Man konnte also sehr viele Touristen bei ihren eigenen Fotoshootings beobachten, was für sich schon ein Erlebnis ist. Als dann noch der Zug mit einer ziemlichen Geschwindigkeit vorbei kam ging die Post so richtig ab. Ein wirkliches Muss, wenn man in Hanoi ist.

Abschließend gingen wir in ein Restaurant der gehobenen Preisklasse, welches ein Bekannter unseren Besuchern ans Herz gelegt hatte. Das Essen war tatsächlich recht lecker, leider nur stark überteuert und dass es Bier hier aus Dosen gab, haben wir nicht ganz nachvollziehen können.

Nach dem Abendessen wollten wir noch eine weitere, letzte Besonderheit Hanois miterleben. Uns zwar werden am Wochenende abends weite Teile der Innenstadt für den Verkehr gesperrt, sodass sich hier die Bevölkerung treffen kann um ein wenig spazieren zu gehen. Außerdem treten verschiedene Straßenkünstler auf und es herrscht allgemein eine sehr heitere und gelöste Stimmung. Auf die Menschenmassen waren wir jedoch nicht vorbereitet, es trifft sich wirklich ein größerer Teil der Stadt und die Straßen wirken wie auf dem Museumsuferfest oder Oktoberfest, ein durchkommen ist tatsächlich schwierig.

Damit endete unser erster Stopp der Vietnamreise. Teilweise war es nervig, teilweise sehr interessant, kulinarisch super lecker. Unser abschließendes Urteil: man kann hier einen kurzen Stopp machen, aber 1-2 Tage reichen vollkommen.