Phnom Penh

Phnom Penh

17. August 2019 0 Von Peter

Früh brachen wir in Kuala Lumpur zum Flughafen auf, damit wir die weite Fahrt rechtzeitig schaffen und den Flug erreichen. Wie auch schon die letzten Male hatten wir Glück und konnten ohne großen Stress das Flugzeug boarden, welches uns in ein neues Land bringen würde. So richtig hatten wir uns nicht mit unserem nächsten Ziel auseinandergesetzt, wir stellten uns Phnom Penh wie die übrigen Hauptstädte Südostasiens vor, die wir bisher gesehen hatten, modern und unproblematisch. Und auch der Rest des Landes war in unseren Köpfen eher wie Malaysia und Bali. Die Realität sollte uns an der ein oder anderen Stelle überraschen.

In Phnom Penh angekommen heißt es erstmal einreisen und ein Visum erhalten. Das war schon etwas skurriler als in den bisherigen Ländern unserer Reise, da hier irgendwie 10 Menschen in Uniform unsere Pässe durchreichten, stempelten, ein Visum einklebten und am Ende 30 USD (auch ganz schön teuer) dafür bekamen. Sehr schön anzusehen hinter einer Glasscheibe, ein wenig wie im Zoo. Nach den üblichen sonstigen Stationen einer Einreise wollten wir noch am nächsten Geldautomaten ein wenig Startkapital für die nächsten Wochen abholen und waren erstmal sehr verwundert, dass der Automat nur USD ausgeben wollte. Wir wollten aber doch die Landeswährung Riel haben? Also an den nächsten Automaten, auch hier nur USD. Sollte man also erst Dollar abheben und dann irgendwo umtauschen? Das kann doch auch nicht sein. Wir waren in dem Moment wirklich verwirrt, da es zwar immer heißt man sollte ein wenig Dollar dabeihaben, aber eher um im Notfall doch noch Bares zum Tauschen zu haben. Wir konsultieren also unsere Reiseführer und tatsächlich, in Kambodscha ist der US-Dollar die auf der Straße üblicherweise eingesetzte Währung, das heißt jede Tuk-Tuk Fahrt, jeder Eintritt, jedes Essen wird üblicherweise in USD angegeben und auch damit bezahlt. Langsam blühte es uns, dass dies hier nicht mehr das einfache Reiseland sein würde.

Kambodscha ist tatsächlich das ärmste Land, welches wir auf unserer Reise besuchen. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass es in den 60ern in den Vietnamkrieg hineingezogen wurde, Ende der 70er Jahre von einem Terrorregime tyrannisiert wurde und bis in die 90er Jahre politisch sehr unstabil war und daher den rasanten Aufstieg der Nachbarstaaten erst verspätet mitmachen konnte oder einfach verpasst hat. Diese Armut merkt man noch an vielen Stellen, wobei sich die Zustände in den letzten Jahren stark gebessert haben mussten, wenn man einmal in ältere Reiseberichte schaut.

Nachdem wir uns mit Dollar und sogar einer Handykarte ausgestattet hatten ging es raus aus der klimatisierten Flughafenhalle. Kambodscha war wirklich noch heißer und schwüler als unsere bisherigen Südostasien Länder, es wirkte aber alles auch trockener und staubiger. Mit den schweren Rucksäcken kein angenehmer Zustand. Wir waren aber wieder motivierte Backpacker und versuchten mit dem Bus in die Stadt zu kommen um ein wenig aufs Budget zu achten. Leider ging der Plan nicht wirklich auf, der Bus hielt doch weiter weg vom Hotel und wir mussten uns ein Tuk-Tuk nehmen, welches uns durch die sehr lauten Straßen der Stadt fuhr. Endlich im Hotel angekommen beschlossen wir direkt an den Pool auf dem Dach zu gehen um uns ein wenig abzukühlen. Wir hatten uns ein schönes Boutique Hotel gegönnt, daher war auch das Zimmer groß und gut ausgestattet.

Unser Pool mit Blick über die Stadt

Für Phnom Penh hatten wir drei Übernachtungen, also 2 volle Tage eingeplant. Wir konnten den Rest vom Anreisetag also ganz entspannt im Hotel zu Ende gehen lassen und abends nur ein wenig die Umgebung erkunden.

Am nächsten Tag wollten wir die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt ansehen. Zuerst ging es in das Nationalmuseum, welches einen schönen Überblick über die reichhaltige Kultur Kambodschas und insbesondere des Khmer Reiches gibt. Hier stieg dann die Vorfreude auf Angkor Wat stark an, da viele Artefakte aus dieser Gegend stammen.

Innenhof vom Nationalmuseum
Ausstellung im Nationalmuseum

Anschließend gingen wir in den Königspalast. Kambodscha ist nämlich eine Monarchie. Der König und seine Familie genießen immer noch sehr viel Respekt in der Bevölkerung. Der Königspalast war ein sehr großer Komplex im Zentrum der Stadt, von dem ein gutes Viertel besichtigt werden kann. Es war ein bisschen eine Mischung aus dem Palast in Bangkok, was die Gebäude und das Innere der Räume betraf, und der verbotenen Stadt in Peking, da es hier auch viele sehr weiträumige Plätze gab und eine große Symmetrie vorherrschte.

Königspalast

Bei der Besichtigung kam die Sonne hinter den Wolken hervor, was für ganz tolle Fotos sorgte, aber auch eine unglaubliche Hitze erzeugte. Insgesamt muss man sagen, dass das Wetter hier einige Extrema bereithielt. Es war Regenzeit, daher schüttete es manchmal wie aus Eimern. Aber wenn es die Sonne einmal schaffte war es so heiß wie selten auf dieser Reise und sogar wir Vorgebräunten bekamen noch einen Sonnenbrand.

Königspalast mit dem Angkor Wat Modell
Königspalast

Am Nachmittag besuchten wir noch Wat Phnom bevor wir am Fluss spazieren gingen, um abends eine Sonnenuntergangs-Flussfahrt zu machen, welche uns auch das erste Mal auf den Mekong führte. Ein schöner Abschluss für einen sehr ausgefüllten Tag.

Riesige Uhr vor Wat Phnom
Bootsfahrt bei Sonnenuntergang auf dem Mekong

Der nächste Tag versprach interessant zu werden. Nachdem wir am Vortag die schönen Seiten der Kultur und fernen Vergangenheit Kambodschas erkundet hatten, wollten wir heute die dunkle nahe Vergangenheit kennenlernen. Es gibt wenige Länder, die nach dem zweiten Weltkrieg Ähnliches durchgemacht haben wie dieses kleine Land in Südostasien. Nicht nur wurde es, obwohl eigentlich neutral, in den Vietnam Krieg hineingezogen und im Osten von den USA mit Flächenbombardements zerstört. Als direkte Konsequenz aus den politischen Wirren kam auch eine sehr radikale Gruppierung, die Khmer Rouge, an die Macht und versuchte das Land drastisch zu verändern. Ziel war es einen Bauernstaat zu erschaffen und dafür wurden im ersten Schritt alle Intellektuellen, Andersdenkenden und sonstigen Verdächtigen umgebracht. Die restliche Bevölkerung wurde aus den Städten vertrieben und musste auf den Reisfeldern schuften, teilweise bis sie einfach tot umfielen. Diese Zeit dauerte 4 Jahre, von 1975 bis 1979, also 5 Jahre bevor ich geboren wurde. Jeder Mensch in Kambodscha war direkt davon betroffen, insgesamt fiel ein Viertel der Bevölkerung dem Gräuel zum Opfer.

Die Morde wurden auf sogenannten Killing Fields durchgeführt. Das bekannteste liegt nur eine Dreiviertelstunde Tuk-Tuk Fahrt von Phnom Penh entfernt. Das relativ kleine Areal war der Ort wo ca. 22.000 Menschen brutal ermordet wurden, indem man sie erschlug oder ihnen die Kehlen durchschnitt. Anschließend wurden die Leichen in Massengräber geworfen. Dieses Killing Field kann man nun mit einem sehr gut gemachten Audio Guide, der einem viele Hintergründe sowie das was man sieht erklärt. Die nächsten zwei Stunden waren die wohl deprimierendensten unserer gesamten Weltreise. Die Verbrechen, die an diesem Ort durchgeführt wurden waren nur sehr schwer zu begreifen. Aus den Massengräbern kamen immer noch, 40 Jahre nach der Herrschaft der Khmer Rouge, Knochen und Kleidungsstücke hervor. Es war einfach nur grauenhaft.

Als zentralen Gedenkpunkt wurde eine Stupa errichtet, welche im Inneren mit den Schädeln einiger der Opfer aufgefüllt wurde, an denen erkennbar war, mit welcher Waffe der Tod herbeigeführt wurde. Es wurden keine Kugeln verschwendet. Und es gab auch keine Gnade für Kinder. Der schlimmste Platz unter den schrecklichen war ein Baum an dem Babys zu Tode geschmettert wurden.

Stupa auf den Killingfields

Nach diesem sehr betrüblichen Ausflug wollten wir unsere Gedanken ein wenig verstreuen und ließen uns von unserem Tuk Tuk Fahrer am Russischen Markt aussetzen, welcher ebenfalls eine sehr bekannte und angepriesene Touristenattraktion ist. Leider kann ich mit Märkten in Asien, welche nichts mit Essen zu tun haben, wirklich nichts anfangen. Auch dieser war wieder sehr eng, laut und einfach nur chaotisch. Daher sind wir nach einem schnellen Mittagessen, welches sehr lecker war, auch direkt wieder ins Hotel. Dort ging es nochmal an den Pool um am Abend nochmal in ein typisches kambodschanisches BBQ-Restaurant zu gehen. Hier hat dann leider weder Service noch die Qualität des Essens gestimmt, daher war es ein recht schlechter Abschluss unseres kurzen Aufenthalts in Phnom Penh.

Unabhängigkeitsdenkmal bei Nacht

Am nächsten Morgen sollte es nämlich schon wieder weiter nach Siem Reap zu unserem Yoga Retreat und Angkor Wat gehen.